Klaus Wolschner                         Texte zur Geschichte und Theorie von Medien & Gesellschaft

www.medien-gesellschaft.de


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III
Medien-
Theorie

Wie wir wahrnehmen,
was wir sehen

3 AS neu 200

ISBN 978-3-7418-5475-0
im Buchhandel oder beim Autor  klaus(at)wolschner.de

Über die Mediengeschichte der Schriftkultur und ihre Bedeutung für die
menschliche Wirklichkeits-Konstruktion im „Jahrhundert des Auges“

3 VR neu 200

ISBN 978-3-7375-8922-2
im Buchhandel oder beim Autor  klaus(at) wolschner.de

Kraft der Bilder

Unser Gehirn liebt die virtuelle Realität:
Wir produzieren mentale innere Vorstellungs-Muster, Herzensbilder und die Idee von Schönheit. Bilder sind Herrschafts-Bilder und Medien für Unsagbares

3-2016

„Die Seele ... denkt nie ohne bildliche Vorstellung.“
Aristoteles

Schon die Illusionskunst des griechischen Theaters weist darauf hin, dass die Suggestion einer neuen Wirklichkeit im Sinne von „Selbstüberschreitung von Medialität“ (Martin Andree) einen großen Reiz auf den menschlichen Verstand ausübt. Wie mit Kipp-Bildern spielten die antiken Kulturen geradezu an der Grenze zwischen Bild-Medium und dem medial Dargestellten, wenn etwa griechische Stein-Statuen gepflegt, gewaschen und mit Nahrung versorgt wurden. Menschen denken natürlicherweise in Bildern und Bildfolgen. Theater wirkt natürlich nur, wenn die Menschen kommen, wenn sie es sehen wollen, weil die vorgeführten symbolischen Bildergeschichten mit den Bewertungsmustern der Wirklichkeit spielen.
Menschliches Welterleben ist eine mentale Rekonstruktion der Umwelt. Wenn „virtuell“ wörtlich übersetzt „der Möglichkeit nach“ heißt, dann ist das geistige Bild, das das Gehirn produziert, ein klassisches virtuelles inneres Bild. Gerald Hüther verwendet den Begriff „innere Bilder“ allgemein für die Aktivierungsmuster bestimmter Neuronenverbände und synaptischer Netzwerke. Mit W.J.T. Mitchell müsste man nicht nur im Englischen zumindest unterscheiden zwischen den materiellen pictures, die das Auge als Objekte wahrnimmt, die man auch anfassen kann, in Rahmen aufhängen oder verbrennen kann, und den images, die das Gehirn von den pictures macht, den Spuren in einem anderen Medium, im Gedächtnis, die die Zerstörung des picture überleben würden
.

Caspar_David_Friedrich_-_Der_Mönch_am_Meer

Caspar David Friedrichs Gemälde „Der Mönch am Meer“ (1808) ist ein schönes Beispiel für ein Bild, das eine Stimmung wiedergibt, die sich in Worte kaum fassen lässt – insbesondere weil das Bild eine Projektionsfläche für subjektive Empfindungen ist. Es zeigt Einsamkeit, Verzweiflung, wildromantische Natur – je nach Wunsch-Projektion des Betrachters.
Der Dichter Heinrich v. Kleist hat versucht, seine Wahrnehmungen in Worte zu fassen. Er empfindet die „unendliche Einsamkeit am Meeresufer unter trübem Himmel“ als „herrlich“, die „unbegrenzte Wasserwüste“ löst bei ihm den Impuls aus, „hinüber“ zu wollen. Er sieht einen „einzigen Lebensfunken im weiten Reich des Todes“, einen „einsamen Mittelpunkt“, große „Einförmigkeit und Uferlosigkeit“ ohne Vordergrund.
Das Bild fordert große dichterische Wortkunst, und der Betrachter kann das so wahrnehmen wie Kleist – oder auch anders. Selbst die dichterische Sprache hat nicht die Offenheit eines Bildes für die Empfindungen des Betrachters, und natürlich versucht Sprache, eine genormte, einheitliche Interpretation vorzugeben, wo das Bild alle Tore für die
Subjektivität des Betrachters öffnet.

Innere Bilder

Innere Bilder „sind in den Gehirnen dieser Menschen in Form hochkomplexer Nervenzellverschaltungen herausgeformte, ihr Denken, Fühlen und Handeln bestimmende Muster, also im Lauf des Lebens erworbene und im Gehirn verankerte Verschaltungsmuster zwischen den Nervenzellen.“ (Hüther) Hüthers Begriff der „inneren Bilder“ ist bewusst unpräzise und nutzt die Assoziation der visuellen Bilder für ganz andere, akustische, taktile oder emotionale „Bilder“. Weil er so „schwammig“ ist, wie Hüther selbst einräumt, eignet er sich für eine Annäherung an die komplexen Vorgänge im Gehirn. Im Gehirn verbinden sich visuelle Wahrnehmungen mit anderen Sinneseindrücken und erlebten Gefühlen zu komplexen mentalen „Vorstellungs-Bildern”, die materiell-stofflich nichts anderes sind als neuronale Muster. Für den Neurobiologen sind die visuellen Muster, die Sinneseindrücke vorzustrukturieren, kaum trennbar von Geruchserinnerungen oder Bewegungserinnerungen - ähnlich wie im Computer gespeicherte Algorithmen gleichzeitig Töne und Bilder repräsentieren und verwandelbar sind. 
Es gibt aber innere Klangvorstellungen, die in keiner Weise visuell sind, es gibt innere Gefühlsvorstellungen, die besser mit der Metapher der „ergossenen Atmosphären” (Hermann Schmitz) bezeichnet sind als mit dem Wort „Bilder”. Die synthetische Leistung erfolgt im Wahrnehmungssystem des Menschen. Innere Vorstellungs-Muster bilden den Hintergrund für Denken.

Abstrakte Zahlen und Wort-Zeichen werden durch den kulturellen Kontext zu Symbolen und im Gehirn des Menschen zu Katalysatoren für die Aktualisierung von Erinnerungs-Bildern. Die Erinnerungsbilder sind umso stärker, je emotionaler die Situation war, in der sie geprägt wurden, und je bildhafter diese Situation war.
Blind geborene können zum Beispiel das Wort „rot“, das sie aus ihrer „sehenden“ kulturellen Umgebung aufgreifen, mit dem Wärmeerlebnis der Sonnenstrahlen assoziieren. „Grün“ ist das, was die Erinnerung an den Geruch von frisch gemähtem Gras wachruft, wie Ursula Burkhard eindrucksvoll in ihrem Buch Farbvorstellungen blinder Menschen (1981) beschreibt. Es ist die Sprachkultur, die die diffusen Vorstellungsbilder mit scheinbar eindeutigen visuellen Kategorien assoziiert.

Das Gedächtnis verknüpft Einzeleindrücke auch, wenn sie kurz aufeinander folgen. Zeitlich so assoziierte Elemente bilden ein Muster, das als Ganzes festgehalten wird. Wenn Teile eines einmal eingeprägten Musters angeregt werden, erscheint vor dem „geistigen Auge" das Ganze. Charakteristische Bewegungen erinnern an die Person, mit der ihre Bewegungen assoziiert sind. Das Gehirn macht aus einer Notenfolge eine Melodie, es speichert Folien des Harmonischen, auf denen eine einzelne Note zur „falschen" werden kann.

Wer sich eine Zahlenfolge vorstellt wie „333“, „4711“ oder „9/11“, denkt bei „333“ zum Beispiel, wenn er im Geschichts- oder Lateinunterricht aufgepasst hat, an eine „Keilerei“ bei  Issos, über die aber kaum jemand mehr weiß, als dass sie sich auf „333“ reimt. Bei „4711” tut sich schon mehr, viele „riechen“ diese Zahl regelrecht, es stellen sich Erinnerungen an den Geruch ein und an emotionale Situationen, die sich im Gedächtnis mit diesem Geruch verbunden haben. Ein humanistisch gebildeter Mensch wird bei dem Wort „alea" schnell das Sprichwort „iacta est" assoziieren, der Würfel ist gefallen. Bei „rien ne va plus" denken viele an das Spielcasino - insbesondere, wenn sie damit visuelle oder emotionale Erinnerungen verbinden. Bei „Nine Eleven“ kommen Bilder hoch - Bilder von den Flugzeugen, die in Hochhaus-Türme fliegen, von herabstürzenden Menschen, von den rauchenden und dann einstürzenden Twin Towers. „Issos“  ist für die meisten Menschen weder emotional noch bildhaft geprägt, kann also nur ein schwaches Erinnerungsbild hervorrufen, das sich durch den gepaukten Reim eingeprägt hat und vielleicht durch die Angst, blamiert zu sein, wenn man in der Schule zu diesem Stichwort aufgerufen wurde.

Die Menschen sind verschieden je nach ihren inneren Vorstellungs-Mustern, durch die sie biografisch geprägt wurden, und nach den Vorstellungen und Überzeugungen, die sie im Kopf (oder besser: „im Bauch“) haben. Es gibt Idealisten und Materialisten, Gläubige und Ungläubige, Sicherheitsbewusste, Konservative und eher Risikobereite, Neugierige. Menschen filtern je nach ihren Persönlichkeitsstilen ihre Wahrnehmungsweise, die prägenden inneren Atmosphären haben Einfluss auf den persönlichen Kommunikationsstil, auf die Art der Entscheidungsfindung, auf Problemlösungen, auf Vorlieben und Talente und sie prägen Denkstile.

Im Halbschlaf steigen gelegentlich Bilder im Bewusstsein auf, Traumbilder, Erinnerungsbilder, Phantasiebilder, Gefühls-Bilder, an die tagsüber Erlebtes anknüpft, wenn das Gehirn die kurz gespeicherten Informationen verdichtet und verschiebt in das Langzeitgedächtnis.

Martin Luther wusste, dass die Kraft der Worte in den inneren Bildern liegt, die sie zu erzeugen vermögen, „Herzensbilder“ nannte er das: „So weiß ich auch gewiß, daß Gott will, man solle seine Werke hören und lesen, besonders das Leiden Christi. Soll ichs aber hören oder gedenken, so ists mir unmöglich, davon in meinem Herzen kein Bild davon zu machen.”

Schönheit - eine Bezeichnung emotionaler Bewertung

Unser Gehirn kann nicht sehen ohne emotional zu werten. Die Schönheit liegt nicht in den Dingen, sondern sie ist eine Interpretation des menschlichen Bewusstseins, das damit Dinge in einer besonderen Qualität ent-deckt. Für Schönheit muss man ein Gefühl haben. Schönheit wird empfunden. „Schöne“ Dinge sind emotional bewertet, zum Beispiel ein farbenreicher Sonnenuntergang. Besonders schön sind visuelle Eindrücke, die mit metaphorischen Darstellungen spielen, die also neben ihrer offen-sichtlichen Bedeutung auf eine abstrakte Ebene verweisen: Bauwerke, Skulpturen, Bildnisse oder gestaltete Parkanlagen, in denen Symmetrien oder andere Form-Prinzipien vergegenständlicht sind. Die Entdeckung solcher Metaphern belohnt das Gehirn – als befriedigendes Erlebnis.

In Ausnahmefällen bewertet unser Gehirn sogar Bilder als schön, die keinerlei Hinweis auf einen Nutzen enthalten. Schön können abstrakte Kunstwerke sein, die willkürliche, „nicht-ikonische“  Vergegenständlichungen - Zeichen und Symbole - verwenden. Voraussetzung für ästhetisches Wohlgefallen scheint zu sein, der ästhetische Gegenstand eine Ordnung erkennen lässt und dass die Entdeckung dieser Ordnung eine geistige Aktivität erfordert, die gelingen kann.

Die Einstufung von verlockenden äußeren Eigenschaften als „schön“ ist offenbar ein Instrument der Vernunft, das vorbewusste emotionale Verhalten des Menschen zu bewerten. „Schönheit“ ist eine Begrifflichkeit, mit der die weitgehend vorbewusst wertgeschätzten Eigenschaften eines visuellen Eindrucks bezeichnet werden und als gültige Muster in den Erfahrungsschatz eines Menschen eingehen. Ein Marienbild kann schön sein aufgrund der Formgestaltung der Frauenfigur, ihrer erotischen Ausstrahlung und der mütterlich-religiösen Kraft, die damit assoziiert wird.

Ist nicht eine elende Wirklichkeit besser als die interessanteste Illusion? Die Frage ist falsch gestellt. Die „Realität“ des Überlebenskampfes war immer grau im Vergleich zu göttlichen Phantasie-Produkten. Die Film-Phantasien sind der Technik voraus wie die Unsterblichkeits-Phantasien den praktischen Möglichkeiten der Medizin. Phantasiereisen sind ein Sonntags-Vergnügen für den menschlichen Geist, im Alltag regiert der Körper mit seinen unmittelbaren Bedürfnissen in seinen biologischen Grenzen. Wenn die existentielle Angst, vernichtet zu werden, im Götterhimmel keine Mitspieler mehr findet, spielt die menschliche Phantasie mit Asteroiden und Außerirdischen.

Kult-Bilder sind die Medien des Unsagbaren und stiften Gemeinschaft 

Die „Bildfiguren“ im Sinne von Artefakten sind Gemeinschafts-Stifter, sie haben ihren Ursprung in Kultbildern. Archaische Kultbilder versinnbildlichen die Geheimnisse der Sexualität und des Todes  - das „goldene Kalb“, die Figurinen der Steinzeit, der Löwenmensch, die Obelisken als Kultsymbol des Sonnengottes Re, die gleichzeitig Phallus-Symbole sind, die Tempel des Todes in Göbekli Tepe oder die Pyramiden im alten Ägypten. In ihren Kult-Bildern bringen sich die Menschen ihre Imaginationen als (an-)fassbare Realitäten nahe. 
Der menschliche Geist erträgt es offenbar nicht, wenn es keine Antworten gibt auf die Fragen, die er aufwirft – er konfabuliert und visualisiert das Unvorstellbare. Er will es sich vor-stellen und dieses Vorstellen durch gemeinsame Riten zu einer verbindlichen Realität machen. Er macht das Unendliche mit Symbolen des Endlichem handhabbar, verknüpft das Vergängliche wenigstens ideell mit einem Unvergänglichen, stellt das Undarstellbare dar - wenigstens als Fetisch oder abstrakt, als Wort-Fetisch. Die Skulpturen und architektonischen Monumente der alten Kulturen machen mehr sichtbar als zu sehen ist – sie stehen für Sinn, für den unsagbaren „Über-Sinn“. Was ist ein unbegreifbar allmächtiges göttliches Wesen? Konkret wird es in einer monumentalen Statue, in einem heiligen Bild, in einer ikonisierten „heiligen Schrift“. Bild-Symbole dienen wie Klang- oder Duft-Rituale dem sinnlichen Zugang zu einem Unvorstellbaren.

Bildsymbole geben dem Nicht-Sichtbaren eine sichtbare Repräsentanz, sie helfen dem Menschen, sich von dem Nicht-Begreifbaren ein Bild zu machen. Dieses Vor-Augen-Stellen ist keine individuelle Angelegenheit – offenbar sind Sinnbilder vor allem dann überzeugend, wenn eine Gemeinschaft sich darin gegenseitig bestätigt. Imaginäre Gemeinschaften wie Fan-Gruppe oder Nationen hängen heute noch an ihren Fahnen, in denen ihr Gemeinsames konkret und materiell wird, die sie daher stolz vorzeigen und die nicht entweiht und „geschändet“ werden dürfen - sie sind weit mehr als ihr Stoff.  
Unfassbare, abstrakte Überzeugungen brauchen bildliche Symbole, die dabei helfen, emotional gespürte Wirklichkeitsdimension, wahr-zu-nehmen: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich eine bestimmte Frau liebe oder dass es Gott gibt, wo rationale Kriterien versagen oder wo religiöse Wahrheiten „höher als alle Vernunft“ sind, wie Paulus über den Osterglauben formulierte.

Es gibt keine allgemeine Hierarchie von Kommunikation, auch wenn die „Wortfetischisten“ glauben, dass das theorie-orientierte Systemdenken, das ein „elaboriertes Sprechen“ in konstruierten Kategorien zur Grundlage hat, an der Spitze stehen müsse. Aber die Sprache der Akademien hat manchmal mehr Herrschafts- als Erkenntnis-Implikationen.

Das erfahrungsgeleitete analytische Denken bewegt sich stärker in Bilderwelten und äußert sich in einem „sehenden Sprechen" voller Bild-Metaphern. (Zur Sprache der Metaphern siehe M-G-LinkErkenntnis etwa erscheint sprachlich eng verbunden mit den Metaphern des Lichtes – Redeweisen wie  „einsichtig“, „einleuchtend“, „hellsichtig“ sind spontan verständlich ohne eine Übersetzung der Wort-Laute in Sinn-Strukturen. 

Trotz aller Aufklärungs-Kultur bleiben die bildlichen Artefakte das Medium für Unsagbares. Es ist das „weite Feld des nur bildlich Gemeinten, Umschriebenen, Verrätselten, unsere metaphorische Rede, unumgänglich für alles im Wortsinne nicht Begreifbare, daher Unbegreifliche“, das nur einigermaßen „dingfest“ gemacht werden kann, wenn wir Wort-Laute „ins Anschaulich-Vorstellbare transponieren“, um überhaupt deutlich machen  zu können, was gemeint ist und „damit einen übertragenen Sinn transportieren“ (Brückner). Das sprachliche Bild bleibt vordergründig nur Bild und ist wegen seiner emotionalen Offenheit Erkenntnis-bestimmend. Sprachliche wie zeichenhafte Metaphern machen Unsagbares anschaulich. 

Repräsentationen haben als theatralisch und rituell bewegte Bilder begonnen. Das klassische griechische Theater ist aus Festen für Dionysos, den Gott des Weines und der Ekstase, hervorgegangen. Die eindrucksvollen Schreckensbilder von Unwetter und Tod wurden personifizierte Naturgewalten, als Götter betraten sie die Bühne, Menschen konnten über ihre Götter-Kreationen fabulieren und ihnen Opfer bringen. In den Ritualen wird mit Gesten, Tanz, Geschrei, Gesang und gepflegter Festrede auf die Bühne gebracht, was eigentlich unfassbar ist.

Repräsentationen haben als theatralisch und rituell bewegte Bilder begonnen. Das klassische griechische Theater ist aus Festen für Dionysos, den Gott des Weines und der Ekstase, hervorgegangen. Die eindrucksvollen Schreckensbilder von Unwetter und Tod wurden personifizierte Naturgewalten, als Götter betraten sie die Bühne. In den Ritualen wird mit Gesten, Tanz, Geschrei, Gesang und gepflegter Festrede auf die Bühne gebracht, was eigentlich unfassbar ist. Menschen konnten über ihre Götter-Kreationen fabulieren und ihnen Opfer bringen. Die Opfer sind letztlich ein Kuhhandel – ein Versuch, nach menschlichen Mustern die Gewalt zu bannen und Natur-Frieden zu stiften. Die Repräsentationen der Götter stellten im Kult Kräfte vor Augen, die der Phantasie der Menschen entsprungen waren.
Die archaischen Figuren des Löwenmenschen oder der Fruchtbarkeits-Venus waren schon geschnitzte Abbilder des bewegenden Ritual-Theaters. Wie die mittelalterlichen Frömmigkeits-Bilder „leben“ die Abbilder nur, wenn sie bewegende Geschichten in den Köpfen der Betrachter evozieren. Erst die mediale Konkurrenz der Film-Bilder lässt sie erstarrt und unbewegend erscheinen.

 

 

Zum dem Themenkomplex Bildkultur gibt es auf www.medien-gesellschaft.de u.a. folgende Texte:

    Bigger than life - Mammutjäger vor der Glotze M-G-Link
    Über die Realität der medialen Fiktion M-G-Link

    Das Gehirn spinnt Sinn  - Gehirngespinste  
    M-G-Link
    Kraft der Bilder - Unser Gehirn liebt die virtuelle Realität: Herrschafts-Bilder, Bilder für Unsagbares  
    M-G-Link
    Bilder im Kopf - Über die neurologisch vermittelte Realitätswahrnehmung  
    M-G-Link 
    Bilddenken, Bildhandeln - Wort-Laute, Gebilde und Gebärden   
    M-G-Link
    Bild  gegen Schrift - Wortfetischismus und die Klagen der Schriftkultur über die Macht der Bilder   M-G-Link

    Geschichte des Sehens und Kulturgeschichte des Bildes  M-G-Link
    Sehen der Moderne - Neue Bilder in der neuen Medienkultur
     M-G-Link

    Bewegende Bilder – Geschichte des Films  im 19. Jahrhundert M-G-Link
    Reizflut, Reizschutz, Inhibition, Neurasthenie   M-G-Link
    Aufmerksamkeit - über Neurologie und Soziologie einer knappen Ressource
     M-G-Link

 

    Wie kommt der Mensch zu Bewusst-Sein? M-G-Link
    Was ist Kultur  M-G-Link
    Jens Reich: Der Zerfall der DDR 1989 und die Macht der Bilder Link

Und zum Themenbereich Sprache:

  • Was ist Sprache? Was die Hirnforschung über die Konstruktion von Sprache weiß  M-G-Link
    Am Anfang war Musik  M-G-Link
  • Klangrede und leichte Trance M-G-Link
    Klatsch und Tratsch: Über die Entstehung von Sprache   M-G-Link
    Sprache Denken: Wie wird Wahrgenommenes verarbeitet, wenn wir „denken?  M-G-Link
    Das mythisch tickende, phantastische Gehirn    M-G-Link 
    Sprache der Metaphern  M-G-Link
     

Literatur zum Themenbereich Bild-Kultur

    Martin Andree: Archäologie der Medienwirkung: Faszinationstypen von der Antike bis heute (2005) 
    Wolfgang Brückner, Bilddenken - Mensch und Magie oder Missverständnisse der Moderne (2013)
    Heinz Buddemeier: Illusion und Manipulation. Die Wirkung von Film und Fernsehen auf Individuum und Gesellschaft  (1987)
    Mark Changizi: Die Revolution des Sehens. Neue Einblicke in die Superkräfte unserer Augen (2012, engl. The Vision Revolution. How the lastest research overturns everything we thought we knew about human vision. 2010) 
    Jonathan Crary: Techniken des Betrachters. Sehen und Moderne im 19. Jahrhundert
    (1996 - Original: Techniques of the Observer, 1990)
    Jonathan Crary: Aufmerksamkeit. Wahrnehmung und moderne Kultur (2002, Orig: Suspensions of Perception. Attention, Spectacle and Modern Culture, 1999)
    Antonio R.Damasio, Descartes Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn (1997)
    Gerald Hüther, Die Macht der inneren Bilder. 
            Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern (2004)
    Ivan Illich: Askese des Blicks im Zeiten der show, in: Weltbilder – Bilderwelten, Hg. Klaus-Peter Dencker, (1995)
    Hans-Otto Karnath, Peter Thier (Hrsg.): Kognitive Neurowissenschaften (2012)
    Eric Kandel, Das Zeitalter der Erkenntnis. Die Erforschung des Unbewussten in Kunst
           
    Geist und Gehirn von der Wieder Moderne bis heute (2012)
    Thomas Meyer: Die Inszenierung des Scheins. Voraussetzungen und Folgen symbolischer Politik. (1992)
    Gerhard Roth, Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert ( 2003)
    Wolf Singer, Vom Gehirn zum Bewusstsein, aus: Der Beobachter im Gehirn (2002)
       
    Link