Klaus Wolschner               Texte zur Geschichte und Theorie von Medien & Gesellschaft

www.medien-gesellschaft.de


zu den Abschnitten

I
Medien-
Geschichte

Wie wir wahrnehmen,
was wir sehen

2 AS Cover

ISBN 978-3-7418-5475-0
im Buchhandel oder
beim Autor 
 klaus(at)wolschner.de

2 VR Titel

Über die Mediengeschichte der Schriftkultur und ihre Bedeutung für die
menschliche
Wirklichkeits-Konstruktion im  Jahrhundert des Auges

ISBN 978-3-7375-8922-2
im Buchhandel
oder beim Autor 
 klaus(at)wolschner.de

POP 55

Über traditionelle Herrschafts-Kommunikation
und neue Formen der Medien-Demokratie:
Wenn der Pöbel
online kommt
ISBN: 978-3-752948-72-1
Über den Buchhandel oder direkt beim Autor 
klaus(at)wolschner.de

2 GG Titel

Über religiöse Körpergefühle und die kommunikative Kraft
der großen Götter von Christentum, Islam und Moderne
ISBN 978-3-746756-36-3
im Buchhandel oder beim Autor
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Stationen der Geschichte der Pressefreiheit

Zur Mediengeschichte des 19. Jahrhunderts im deutschen Raum siehe den Text zur Massenpresse MG-Link

John Miltons hatte schon 1644 in seiner Rede „Areopagitica“ die Forderung nach Abschaffung der Vorlizenz für Publikationen erhoben. In den USA hatte der erste Verfassungszusatz (First Amendment) 1791 dem Kongress jegliche Gesetzgebung zur Einschränkung der Rede- und Pressefreiheit verboten. Es blieb das Instrument, die Beleidigung „öffentlicher Persönlichkeiten“ als Delikt anzuklagen. In der US-amerikanischen politischen Kultur vertiefte sich im 19. Jahrhundert das Verständnis von der Presse als einer „fourth estate“, einer vierten Gewalt, die eine unabhängige kritische Beobachtung der politischen Institutionen ermöglichen sollte.
In Großbritannien blieb die besondere Steuer auf Druckerzeugnisse, die „stamp duty“, bis 1855. Es gab aber keine förmlichen Instrumente zur Disziplinierung der Presse.
In Russland wurde in den 1860er Jahren im Kontext der Reformen von Zar Alexander II. die Zensur gelockert, die weitgehende Liberalisierung löst 1905 eine Welle von Zeitungsgründungen aus.
In den englischen Kolonien entwickelte sich ein Pressewesen nach englischem Vorbild. In Kanada etwa mit seinen 4,3 Millionen Einwohnern  wurden 1880 rund 100.000 Zeitungen pro Tag mit der Post verschickt.

Norwegen war auf dem europäischen Festland das erste Land gewesen, in dem seit 1814 Pressefreiheit herrschte. Andere Länder wie Belgien und die Schweiz folgten bald.

In der französischen Revolution war bereits 1789 „die freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen“ zu einem „der kostbarsten Menschenrechte“ erklärt worden, fast hundert Jahre lang gab es jedoch noch einen erbitterten Streit um die Pressefreiheit. Ein weitgehend respektiertes liberales Pressegesetz gab es in Frankreich erst 1881.
Japan
hatte zwar eine etablierte Schrift- und Druckkultur, sich aber gleichzeitig bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vom europäischen Einfluss abgeschottet. Seit den 1860er Jahren entstanden dann innerhalb von nur drei Jahrzehnten zahlreiche japanische Zeitungen und Zeitschriften mit hoher Auflage, darunter 1867 das „Magazin der westlichen Welt“. Medien wurden offensichtlich zum Fenster zur westlichen (europäischen) Welt.
Das Beispiel Afrika, wo sich kaum eine starke Presse herausbildete, ist ein Beispiel dafür, wie sehr die Al
phabetisierung die Voraussetzung für die Entfaltung des Pressewesens ist: Das Zeitalter der Druckpresse wurde in manchen Regionen Afrikas praktisch übersprungen, erst im 20. Jahrhundert wurde die oralen Kommunikationskultur durch neue Medien ergänzt - Radiosender und später auch andere elektrische Medien.

„Keineswegs war ganz Europa ein Hort der Pressefreiheit in einer sonst rückständigen Welt“, so fasst Jürgen Osterhammel seinen Überblick zusammen. Außerhalb des europäischen Kulturkreises waren die neue Medienkultur und die Pressefreiheit aber letztlich doch nur über die Kolonialgeschichte verbreitet worden.